Prof. Günther Kaunzinger, Würzburg
Werke von César Franck, Louis Vierné,
Charles-Marie Widor und Günther Kaunzinger
(Improvisation über gegebene Themen)
Presseberichte, die den Organisten Günther Kaunzinger als „technisches
Phänomen“,
gar als „Liszt der Orgel“ würdigen, sind keine Seltenheit. Der
wahre Kern, der hinter solchen oft eilfertigen Formulierungen lauert, gründet
in Kaunzingers Konzept eines musikalisch vollgültigen, technisch emanzipierten
und geistig hellwachen Orgelspiels, wobei sein außerordentliches
Gedächtnis
ihn befähigt, sein Repertoire auswendig zu interpretieren.
Erlernt hatte Kaunzinger, von 1976 - 1978 zudem „Artist in residence“ am
„National Shrine“ und Leiter der Orgelabteilung an „The Catholic University
of America“ in Washington, D. C., sein Handwerk während eines siebenjährigen
Studiums bei französischen Orgelmeistern: Marie-Claire Alain, Maurice Duruflé und – was
die Kunst der Improvisation wie selbstverständlich einschließt – Jean
Guillou. Zuvor hatte er in Deutschland ein umfassendes Musikstudium
(auch in den Fächern Klavier, Komposition und Dirigieren) absolviert.
Zahlreiche gewonnene internationale Orgelwettbewerbe legten die
Grundlage für Kaunzingers weltweite Konzerttätigkeit und seine
rege Schallplattenaktivität (darunter u. a. das Gesamtwerk von Franck,
Widor und Vierne), die mit dem Deutschen Schallplattenpreis 1980, 1982 und 1988 honoriert wurde.
1983 gründete er in seinem Haus „Capriccio“ in Helmstadt bei Würzburg
die „Konzerte auf Capriccio“, die Interpreten mit internationaler Bedeutung
erfahren haben. Sein engagiertes Eintreten für einen zeitgemäßen, individuellen Orgelbau
belegen zahlreiche Instrumente im In- und Ausland, darunter die Große Orgel
der Stiftsbasilika Waldsassen – mit 103 Registern und zwei 6 manualigen
Spieltischen – an der er 1989 zum „Titularorganist“ ernannt wurde.
1988 wurde ihm der Kulturpreis der Stadt Sulzbach-Rosenberg aufgrund
seiner internationalen Bedeutung als Orgelinterpret verliehen. 1994 erfährt
er weltweite Anerkennung, indem er zum „Interpreten des Jahres“ gewählt
wird.
Aus seiner Orgelklasse der Hochschule für Musik in Würzburg, wo er von
1974-2004 unterrichtete, gingen Studenten aus 14 Nationen hervor, die
heute führende Positionen international innehaben.
Der deutsche Bundespräsident hat Günther Kaunzinger den „Verdienstorden
am Bande der Bundesrepublik Deutschland“ zuerkannt. Damit würdigte
der Staat einen international renommierten Organisten und Lehrer, dessen
Wirken
weltweit geschätzt wird.
